罢ü谤办别颈: Patriarchenbesuch macht Christen Hoffnung
Höhepunkt des Besuchs, der ganz im Zeichen der Stärkung der letzten Christen in der Region stand, war am Samstagabend das Patroziniumsfest des Klosters Mor Gabriel. Der Patriarch stand einem Gottesdienst vor, an dem neben zahlreichen Bischöfen und Geistlichen auch mehr als tausend Gläubige aus dem Tur Abdin und zahlreichen Ländern Europas teilnahmen.
Patriarch Afrem bezeichnete das Kloster Mor Gabriel als Herzstück und Heimatland der syrisch-orthodoxen Kirche. Nicht nur für die Christen vor Ort, sondern für alle syrisch-orthodoxen Christen weltweit sei das Kloster Mor Gabriel bzw. der Tur Abdin von entscheidender Bedeutung für die eigene Identität. Der Patriarch rief die Gläubigen dazu auf, besonders auch jene in der Diaspora, die Verbindung mit dem Mutterland zu halten und die Kirche vor Ort zu unterstützen.
Geistliches Zentrum des syrisch-orthodoxen Christentums
Beim Tur Abdin im Südosten der Türkei nahe der Grenze zu Syrien und zum Irak handelt es sich um das spirituelle und kulturelle Zentrum des syrisch-orthodoxen Christentums, dessen Kirchen und Klöster teils bis ins 3. oder 4. Jahrhundert nach Christus zurückreichen. Mor Gabriel ist der Sitz von Erzbischof Timotheos. Um 1900 soll es im Tur Abdin noch 200.000 Christen gegeben haben. In den 1960er-Jahren betrug die Zahl der Christen noch rund 75.000. Als Mitte der 1980er Jahre der militärische Konflikt zwischen der kurdischen PKK und dem türkischen Militär ausbrach, saßen die verbliebenen Christen im Tur Abdin zwischen allen Fronten.
Einige christliche Dörfer wurden in Folge vom türkischen Militär zur Gänze geräumt, in anderen gab die christliche Bevölkerung von selbst auf. Viele zogen nach Istanbul, die Mehrheit freilich suchte ihr Glück im Westen; in Deutschland, Schweden, der Schweiz, den Niederlanden, Belgien oder auch in Österreich. Die Bilanz: Mitte 1997 verblieben im Tur Abdin etwa 2.600 Christen. Eine Zahl, die sich bis heute nicht mehr nennenswert verändert hat, obwohl sich die Sicherheitslage inzwischen wesentlich verbessert hat und die Türkei durchaus Interesse an einer Rückkehr der einstigen Bewohner hätte.
Erzbischof Timotheos bezeichnete beim Festgottesdienst in Mor Gabriel den Besuch des Patriarchen als besondere Freudenzeit für den Tur Abdin. Die Christen vor Ort hätten lange auf diesen Besuch warten müssen, der bisher nicht möglich war. Wiewohl darüber offiziell nicht gesprochen wurde, wiesen Beobachter vor Ort darauf hin, dass der Besuch des Patriarchen, der seinen Sitz in der syrischen Hauptstadt Damaskus hat, erst mit dem politischen Wechsel in Syrien möglich geworden ist. Die Christen im Tur Abdin hätten schwierige Zeiten durchgemacht, so Erzbischof Timotheos. Die Zeiten hätten sich aber gebessert und nun wolle man optimistisch in die Zukunft.
Kloster aus dem 4. Jahrhundert
Das etwa 25 Kilometer von der Stadt Midyat entfernt gelegene Kloster Mor Gabriel wurde im Jahr 397 offiziell begründet. Vermutlich reichen die ersten Anfänge schon einige Jahrzehnte weiter zurück. Wissenschaftler vermuten, dass es auf Resten eines heidnischen Tempels erbaut wurde. Als Gründer gelten der Heilige Samuel von Eshtin und sein Schüler, der Heilige Simon. In seiner Blütezeit lebten bis zu 1.000 Mönche im Kloster. Lange Zeit war Mor Gabriel Sitz des syrisch-orthodoxen Metropoliten des Tur Abdin. Unter den Äbten des Klosters spielte der heilige Gabriel von Beth Kustan (Bekusyone) eine besondere Rolle, der die Gemeinschaft im 7. Jahrhundert, zum Zeitpunkt der islamischen Eroberung, leitete. Das Kloster wurde später nach ihm benannt. Gabriel war es offensichtlich gelungen, mit den neuen muslimischen Machthabern einen ?modus vivendi“ zu finden und zugleich die geistige Ausstrahlung des Klosters zu vertiefen.
Das Kloster wurde immer wieder von feindlichen Heerscharen erobert; doch nach jeder Katastrophe kehrten die Mönche zurück. Im Zuge des Völkermordes 1915 wurden alle Mönche ermordet und das Kloster geschlossen. Erst 1920 konnten die Mönche mit spärlichen Mitteln in das verwüstete Kloster zurückkehren und erst in den letzten 60 Jahren erfolgte der Wiederaufbau des Klosters, sowohl materiell als vor allem auch spirituell. Eine Zukunftshoffnung für Erzbischof Timotheos sind die Kinder und Jugendlichen aus aller Welt, die in den Sommermonaten in die Klöster kommen, um dort die syrische Sprache und Liturgie zu erlernen.
(kap – sk)
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